Ich bin jetzt seit ca. drei Wochen auf Erasmus in Belgien (Antwerpen, also der nördliche Teil, wo sie Minderwertigkeitskomplexe gegenüber den Niederlanden, nicht Frankreich haben). In dieser Stadt sind an ungefähr jeder dritten Hausecke Heiligenfiguren, meist Madonnen, angebracht. Wunderschöne, von Ornamenten und Schriftzügen umkränzt, und meist auch eine Laterne dabei.
Auf den Einführungstagen der Uni wurde uns Folgendes erzählt:
Diese Statuen ließen zwar religiös anmuten, doch die Leute damals, die diese Idee hatten, waren einfach praktisch veranlagt: Die Heiligenstatuen waren einfach der Halter für die Straßenlaternen mit Feuer, damals, als es noch keine Elektrizität gab. Man wollte also keine Madonnen aufstellen, sondern hatte als Pragmatiker die Straßenbeleuchtung im Kopf; die Menschen waren nie so gläubig gewesen.
Außerdem war Belgien 'zwar noch' zu 58% katholisch- 'also, auch nur dem Namen nach, versteht sich- aber es sei ein sehr vielfältiges Land.
Derartige Informationen kamen noch oft.
Manchmal frag ich mich, wie lang sie diese Eck-Statuen noch stehen lassen. Viele Nischen sind schon kahl, die Laternen baumeln verlassen unter leeren Grotten, oft auch über einer Türe zu einem Gebäude mit hohen Türen und Fenstern und einem Kreuz auf dem spitzen Turm, das seit ein paar Jahrzehnten ein Schmuckgeschäft oder Café ist...
Es tut schon ein wenig weh. Warum wird über das Christentum so hergezogen, der Islam und der Buddhismus und das Judentum so gepriesen als Bereicherung? Ich habe andere Katholiken sagen hören, die Abneigung gegen Christen komme auch von einigen Skandalen in der Kirche. Die alte Begründung. Ja...
Wenn die Menschen nur wüssten, dass der Glaube mehr als die Amtsbesetzer ist, wenn sie wieder realisierten, dass ihre gesamte Kultur und ihre ja doch noch vorhandene unbewusste Moral, jede zweite Redewendung, jeder staatliche Feiertag, ja sogar Weihnachten! christlichen Ursprung haben und nur durch das Christentum bestehen können...
Wenn sie offener sein und ihre Auffassung wieder erneuern könnten und erkennen, dass alles, was ihnen im Leben lieb ist, in keiner anderen Religion und auch nicht im Atheismus zu finden ist, weil der Atheismus nicht lange bestehen könnte; er würde einfach zu neuen Göttern führen.
G. K. Chesterton hat gesagt: Wenn die Menschen sich dazu entscheiden, nicht mehr an Gott zu glauben, glauben sie nicht an nichts, sondern werden an alles erdenklich mögliche glauben.
Es zwickt richtig im Magen. Wenn sie doch nur wüssten, was für eine Freiheit und was für ein Frieden in Jesus liegt, was sie ihm zu verdanken haben und aufhörten, gegen ihn zu kämpfen!