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Heim kommen

Für Weihnachten bin ich von Belgien, meinem Auslandssemester-Ort, nach Hause gefahren. Selbstverständlich- seit Wochen´schon hörte ich "I'll be home for Christmas" und freute mich wahnsinnig auf mein zu Hause. 

Es war eigenartig: Ich hatte schon so viel gelitten an diesem Ort, hatte mich so sehr nach zu Hause gesehnt, hatte sogar geweint vor Sehnsucht... Und jetzt wurde mir schwer ums Herz, als ich  mein Gepäck ins Auto lud. Ich dachte wehmütig an meine Freunde, die ich hier gefunden hatte. Und ich musste daran denken, wie es wohl würde, wenn ich endgültig wieder nach Hause fuhr... 

Jetzt bin ich seit ca. einer Woche zu Hause und will nicht wieder fort. Auch hier habe ich Freunde, und hier ist irgendwie mein 'wahres' Leben, hier ist das Zentrum und hier bin ich zu 100% ich... So ungern ich es zugebe, aber ich war doch ein wenig anders im Ausland. Worüber ich mir nicht sicher bin ist, inwiefern ich anders war, und ob ich dort MEHR ich selber war oder WENIGER. War ich zu Hause vielleicht einfach dieselbe alte Person, auch wenn ich mich veränderte? Weil Menschen mich so kannten und ich 'einfach so bin'? Oder muss ich eher sagen, die Wahrnehmung durch Menschen, die mich kennen und um die herum ich entspannt bin, half mir, ich selbst zu sein? Ich hab die Freiheit im ausland genossen und entdeckte schon auch irgendwie ein neues Ich. Es war eine neue Chance, eine Gelegenheit, die zu sein, die ich bin, anders zu sein, wenn ich tief drin anders war. 

So fertig mich das alles machte und so unangenehm solche Ungewissheiten sein können, ich bin dankbar dafür. Bedeutet es doch, dass ich glücklich sein kann, wo auch immer ich bin. Dass ich die Welt wieder ein Stück weit erobert hatte, und dass ich gleichzeitig einen Platz hatte, an den zurückzukommen doch immer das Schönste sein würde. Dass ich frei bin, ich zu sein. Dass ich Menschen kenne, die mich angenommen haben. Dass ich verwurzelt bin- wenn nicht an einen Ort, dann doch an den guten Geist eines Ortes. 

 

Wer hat es gesagt- Winnie Pooh oder Charles Dickens? "How lucky am I to have something that makes saying goodbye so hard!"