Hey! Es ist jetzt eine Weile her, dass ich was geschrieben hab. Da ist was dazwischengekommen, dass ich, ein paar Tage, nachdem ich in meine neue Wohnung eingezogen bin, gleich wieder raus aus dieser Stadt und nach Hause zur Familiy gezogen bin, nämlich eine Krankheit, die die eine Stadt in Quarantäne versetzt hat und die Uni von der Fernlehre überzeugt hat und ich mich nach Hause verzogen hab, wo es Essen und Leute gibt, die für ein paar Wochen drinnen besser geeignet sind ^^ Die letzten Posts sind übrigens alle an komplett verschiedenen Orten unter ganz anderen Umständen entstanden. Der jetzige ist der erste, der unter Quarantäne verfasst wird ;)
Vielleicht kennst du das: Du willst dein Leben so leben, dass es auf lange Sicht gut in Zeit und Welt passt. Du überlegst, was für ein Berufsfeld es gerade zu besetzen gibt, welche Ausbildung gut wäre, wenn in den nächsten Jahren vielleicht dies und das und jenes passiert, oder wie lang die Ausbildung maximal gehen soll, wenn doch bald dies oder das passieren könnte. Überlegst, ob du diese Reise unternehmen sollst, weil doch vielleicht in dem Land ein Krieg ausbricht. Ob du aufs Date gehen sollst, weil doch der andere, den du wahrscheinlich in zwei Monaten hier und dort wieder mal triffst, auch noch in deinem Kopf herumschwirrt.
Ich glaube ja, dass es gut ist, zu planen. Es ist gut, Ideen zu haben, die man unbedingt umsetzen will, und alles dafür zu tun. Aber jeden nächsten Schritt auf die Goldwaage zu legen, das ist nicht gut. Es hat keinen Sinn. Wir sind dazu fähig, Pläne zu schmieden, weil es da Dinge gibt, die auf uns warten, egal, wie unser Plan aussieht; Dinge, die wir zu tun geeignet sind und die wir auch tun wollen. Aber unser Menschsein erlaubt nunmal nicht, jedes Stück des Lebens zu steuern und kontrollieren und planen.
In einem guten Plan stehen Flexibilität und Offenheit doch an erste Stelle. Das gilt für Urlaubspläne als auch für Lebenspläne. Dass Pläne und Wünsche nicht immer aufgehen merken wir doch schon als Kinder. Warum also versuchen wir oft weiterhin verbittert, unseren Willen durchzusetzen? Als Kinder haben wir doch auch gelernt, dass eigentlich fast alles nur halb so wild ist. Es geht immer weiter, und wir Menschen sind so belastungsfähig! Wieso tun wir uns nur diesen Stress an mit dem Versuch, alles im Griff zu behalten?
Ich will nicht sagen, dass alle unseren kleinen Sorgen unwichtig sind. Denn das sind sie oft einfach nicht. Tatsächlich sind sie nicht unwichtig genug, als dass wir sie nicht auf Gottes To-Do-Liste setzen sollten. Es ist oft einfach nicht lustig: Das Leben häuft eins aufs andere, es hört nicht auf, und man selber darf aber auch nicht einfach aufhören. Währenddessen machen die Freunde weiter Schluss, die Babys müssen weiterhin geboren werden, man kann die Jobsuche auch nicht einach abbrechen, gigantische Zweifel zum eigenen Leben kommen immer wieder auf, unsere Liebsten werden krank, Freunden geht es schlecht, die Politiker spinnen weiter,... Und Fastenzeit ist zu allem Überdruss auch noch ;) Und dann kommt noch so ein schreckliches internationales Virus daher, das so viel Platz in der Welt einzunehmen scheint, dass für nichts anderes mehr Raum ist. Die Straßen sind wie leergefegt, die Medien und Hirne durchgepustet, die Nerven von vielen am Ende, das soziale Leben hat sich für viele erledigt und schon zu viele Menschen sind gestorben. Aber unsere Probleme kann es nicht zerstören, war ja klar.
Auch wenn ich daran denke, was für ein Leben unsere Großeltern oder Urgroßeltern gelebt haben: Während Soldaten, vielleicht Verwandte und Freunde, auf dem Schlachtfeld starben; während man nicht wusste, ob die umgehende Seuche noch Wochen oder Monate oder Jahre anhalten würde; während unklar war, ob das Geld einen über die nächste Woche bringen würde und während Zähne ohne Narkose gezogen wurden musste man das eigene Leben zu leben, und zwar ohne blassen Schimmer, wie die Zukunft aussehen würde. Ohne zu wissen, dass der Krieg bald aufhört. Die Leiden und Freuden des ganz normalen Lebens sind einfach neben allem Desaster weitergelaufen.
Ich will nicht sagen, dass unsere Sorgen nichtig sind; sie sind ja real - ob wir sie uns aus überflüssiger Angst oder Zweifel antun oder nicht- und liegen uns am Herzen. Aber noch wichtiger ist eben, zu erkennen, dass unsere Einsicht in die ganze Geschichte begrenzt ist, und dass jede Sorge uns in unserer Geschichte weiterbringen kann.
Eines haben doch alle Generationen gemeinsam: nie kann man wissen, was die Zukunft bringt. Keine künstliche Intelligenz wird das jemals können. Alles, was wir haben, ist der Augenblick, den wir voll und ganz uns zu eigen machen können. Im Augenblick zu leben, der die Zukunft beeinflusst, ohne zu viel an diese Zukunft zu denken, das ist schwer, aber wir haben ein Leben lang Zeit, besser darin zu werden. Gerne würd ich mit meinen Großeltern reden. Die sind leider schon verstorben. Opa hat nie viel gesagt, aber Oma würde bestimmt was zu sagen wissen. Was würden deine sagen? Man wird glaub ich immer gelassener. Man schluckt jeden Tag, ein Leben lang, die bittersüße Pille, dass nichts wirklich in den eigenen Händen liegt. Da muss man doch irgendwann resigniert und dankbar erkennen, dass man Gott nicht einfach vom Steuer wegdrängen kann.
"Und wenn du denkst, es geht nicht mehr,
kommt von irgendwo ein Lichtlein her,
dass du es noch einmal wieder zwingst
und von Sonnenschein und Freude singst,
leichter trägst des Alltags harte Last
und wieder Kraft und Mut und Glauben hast."