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Der Brunnen

 

Dieses Gedicht hab ich grad wieder ausgegraben; ich habs vor ca. drei Jahren geschrieben, als ich in meinem ersten Studienjahr war und bei einer alten Dame im Haus in Untermiete war. In deren Garten war ein alter Brunnen. Sie hat mir erzählt, dass sie dort früher Wasser geholt haben zum Wäsche waschen und sonst alles tun. Da hab ich mich einmal in den Garten gesetzt und dabei diese Ode an den Brunnen ist entstanden.

 

Dort unten an der Mauer, 

von hellen Forsythien verdeckt, 

liegt grau in grau und grauer

ein alter Brunnen versteckt. 

 

Kaum mehr mehr als Gestein, 

schon lange am Verwesen, 

ruht er und kann nicht sein, 

wozu er einst gewesen. 

 

Zu Zeiten barg er in sich

die Quelle allen Lebens; 

ward aufgesucht tagtäglich- 

jetzt dürstet er selbst vergebens. 

 

Und manchmal streift ein Kind

beim Spiel im alten Garten 

ihn ohne jedes Erwarten, 

und sonst ist's nur der Wind.