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Thought of the day 22/09/2020: Petrarca. Und: An uns, die wir auf das Ende des Kampfes warten

 

Ich hab lang überlegt und viele Texte angefangen; es ist so schwierig, irgendwo anzusetzen! Besonders in Zeiten des "Umbruchs", wo man sich Nichts mehr sicher ist. Noch dazu hab ich von Petrarca "Von Bücherschreibern und Büchersammlern" gelesen. Und da kommt der durchschnittliche Schreiber nicht gut weg xD "Es ist ein weitverbreitetes Übel, dass jeder sich zutraut, Bücher machen zu können... Kann denn keiner seine Freude und Lust im Lesen und Nachdenken finden? ... Glaubt denn jeder, er habe das Zeug dazu, Bücher zu schreiben? ..." Wirklich lesenswert! Und natürlich hab ich mich angesprochen gefühlt. Was ist mit meinem Jahrzehnt-alten Trieb, ein Buch schreiben zu wollen - und zu bloggen? Im Himmel werde ich Petrarca fragen, was er von Blogs gehalten hätte. Solang werde ich eiskalt weitermachen. 

 

 

Wir leben ja in einer wahnsinnigen Welt. Wahnsinnig schön, wahnsinnig lustig, traurig. Sie war immer schon so; die Menschen hatten immer ihre Spinnereien im Kopf. 

Ich will uns heute daran erinnern, dass das, was wir als Ausnahmezustand oder Krise empfinden, eigentlich normal ist. Vielleicht findet jeder "wirklich" Erwachsene das ganz selbstverständlich. Das mag zunächst etwas entmutigend klingen, aber glaub mir, es ist eher tröstlich! Es soll nicht die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nehmen, aber wenn wir einmal akzeptiert haben, dass das Leben kein Spaziergang ist, kein Honigbrot, kein Ponyritt, dann ist es doch leichter, alle Schwierigkeiten zu akzeptieren. Wir sind ja überhaupt nicht dazu bestimmt, es leicht zu haben. Und ich meine jetzt weniger die persönlichen Kämpfe des Alltags, die wir alle auszuführen haben, sondern die Kämpfe,  die wir weder ausgelöst haben noch beenden können. Kämpfe, die sich für uns mehr darin äußern, dass wir die Folgen zu tragen haben, Kämpfe, die mehr als "nur" uns betreffen. Die Ängste schüren können, die wir bisher nicht kannten und uns zu erdrücken scheinen. Das letzte bald 1/3 Jahr war so eine Herausforderung. Ein echter Kampf!, der mehr unser Vertrauen auf Gott herausfordert als unsere Kraft, weiterzuleben. Wenn es nicht an uns liegt, für Verbesserung zu sorgen, dann sind wir ganz besonders aufgefordert, alles am Fuß des Kreuzes hinzulegen. 

Eine ungewisse Zeit wie etwa die jetzige ist eigentlich lediglich eine Erinnerung, dass das Leben... ungewiss ist! Wir haben tief in uns drin diesen Sinn von Normalität. Dieser Sinn wird sich immer ein wenig hintergangen fühlen in dieser Welt. Aber egal, was gerade passiert; es braucht uns eigentlich nicht zu überraschen. Wir sind auf dem Schlachtfeld, ob wir es in dem Moment realisieren oder nicht, ob wir nur dastehen oder gerade das Schwert schwingen. 

 

Wir leben in einer gefallenen Welt. Was können wir da schon groß an Ponyritten erwarten? Wenn Kämpfe anstehen, die wir nicht ausführen können, müssen wir dafür sorgen, innerlich stärker zu werden, um die Folgen zu ertragen. Wenn es nicht an uns liegt, Ruhe in den Laden zu bringen, könnten wir z.B. unsere Fähigkeit ausbauen, Ungewissheiten und Chaos zu ertragen. Aber mit der Idee zu leben, dass diese oder jene schwere Phase nur vorübergehen muss, damit wir einmal glücklich sein können, ist täuschend und erschwert uns nur die Gegenwart... Wir sollten nie vergessen, dass einmal wieder bessere Tage kommen - vielleicht nicht, weil die ganze Welt eine 180 oder zumindest 90 Grad-Wende macht, denn das wird ohne Gott nicht möglich sein, aber zuallermindest, weil wir innerlich stärker werden oder jemand liebes treffen oder ein schönes Lied hören oder Urlaub machen oder jemandem ein Lächeln schenken. 

 

In so verrückten Zeiten verstehen wir doch erst all die Gospel-Songs erst, die Sklaven in Gefangenschaft gesungen haben, oder all die Gedichte, die Menschen in Gefangenenlagern verfasst haben... 

Mein Lieblingsgebet stammt von Herbert Sack, ein Soldat, der 1943 in Stalingrad ums Leben gekommen ist:

 

Erscheinen meines Gottes Wege mir seltsam, rätselhaft und schwer, 

und gehen Wünsche, die ich hege, still unter in der Sorgen Meer; 

will trüb und schwer der Tag verrinnen, der mir nur Schmerz und Qual gebracht,

dann darf ich mich auf eins besinnen: Dass Gott nie einen Fehler macht.

 

Wenn mir zu hoch des Herrn Gedanken, zu tief die Brunnen seiner Huld, 

wenn alle Stützen haltlos wanken, die Kraft mir fehlt und die Geduld; 

wenn gar mein Blick kein Ziel mehr findet in banger tränenreicher Nacht - 

ein Glaubensfünkchen dennoch kündet, dass Gott nie einen Fehler macht.

 

Wenn über ungelösten Fragen mein Herz verzweiflungsvoll erbebt,

an Gottes Liebe will verzagen, weil sich der Unverstand erhebt,

dann darf ich all mein müdes Sehnen in Gottes Rechte legen sacht

und leise sprechen unter Tränen, dass Gott nie einen Fehler macht.

 

Drum still mein Herz und lass vergehen, was irdisch und vergänglich heißt; 

im Lichte droben wirst du sehen, dass gut die Wege, die Er west. 

Und müsstest du dein Liebstes missen, ja, gings durch kalte, finstre Nacht, 

halt fest an diesem sel'gen Wissen: Dass Gott nie einen Fehler macht.