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die gute alte fastenzeit

 

Soo, wenn ihr wüsstet, wie viele Posts ich an-geschrieben hab und nie fertiggestellt oder doch zumindest nie auf  "sichtbar" gestellt.

Jetzt grad hab ich eine fröhliche Stunde. Generell fühl ich mich zur Zeit oft klein, schwach, nutzlos, dreh beinahe durch und bin so wütend auf die Welt, dass es mich lähmt. Aber das scheint dazuzugehören; durch solche schwachen Erlebnisse kann man stark werden und im Vertrauen und der Zuversicht und Gelassenheit wachsen.

Jetzt ist es aber Zeit, doch irgendwas auf die Reihe zu bringen.

 

Ich schreib das jetzt als kleine Vorbereitung auf die morgen beginnende Fastenzeit 2021, und vielleicht können manche von euch dabei auch was mitnehmen! Ich arbeite eine Art Liste ab, was ich tun will, was mir helfen kann, was ich vermeiden soll usw.

Grundsätzlich freue ich mich auf die Fastenzeit, aber man weiß ja nie, was für Hindernisse dieses Mal auftauchen. Ich schätze doch, dass der Post also sehr feminin geprägt sein wird ;) Mein Fasten wird auf jeden Fall um "Nahrung" gehn, bzw. "Nicht-Nahrung"; weniger essen, weniger gut essen. Das klingt vage, es wird aber in der Tat, wenn man sich selber ernst nimmt und aufrichtig ist, glasklar, was man nun im Sinne der Fstenzeit tun und lassen könnte, um sich einfach ein bisschen wehzutun und auf den Grund der Tatsachen zu holen. Aber es geht auch um Nahrung im weiteren Sinn: Nahrung für unsere Augen und unser Gehirn, unseren Geist, unsere Seele. Also:

 

Was ist Fasten?

Fasten ist ein Gleichgewicht von Tun und Lassen. Dies mehr tun, das weniger tun. Ein Streben nach Ausgeglichenheit und Gesundheit - nach dem Zustand, wie Gott uns geschaffen hat, ohne die Gifte der Welt.

Dann ist Fasten eine Art Gebet, das Gott erreichen und die Welt verändern kann.

 

Wozu faste ich überhaupt?

Es gibt viele Gründe: Jesus selbst spricht vom Fasten als ein starkes Mittel - sogar um böse Geister zu vertreiben: "Fasten und Gebet" (Markus 9, Matthäus 17). Also eigentlich, um Gottes Güte zu erbitten für uns. Und um wie viel mehr denn je gilt es, die Fehler der Menschheit mitzutragen... Buch der Weisheit 11: "Du siehst hinweg über die Sünden der Menschen um ihrer Buße willen und schonest ihrer, weil du der Herr, unser Gott bist." 

Dann wollen wir in deiser Zeit Jesus nahe kommen, seiner und seines Fastens in der Wüste gedenken, seiner Versuchungen... Als Vorbereitung auf das große Osterfest (beten und fasten wir dafür, dass es nicht schon wieder ohne Hl. Messe sein muss! :( ).

Und dann fasten wir, um unserer Seele etwas Gutes zu tun. Es ist wie ein 40-tägiges Trainingscamp. Alles Gute braucht Arbeit! Wie könnte es mit unserer Seele anders sein? Indem wir uns also von der Welt ab- und uns Gott zuwenden, trainieren wir unsere Seele, machen sie stark fürs Leben. Üben uns in Disziplin, realisieren, wie wenig wir eigentlich zum Leben brauchen, lernen wieder, dass "der Mensch nicht vom Brot allein lebt". Wie schön wäre ein Leben mit perfektionierter Selbstdisziplin! Wir würden uns von uns lösen, würden uns keine Vorwürfe machen müssen, hätten keinen Grund, unzufrieden mit uns zu sein. Und durch dieses der-Seele-guttun tun wir auch unserem Körper gut. Ich glaube, wir ziehen die Linie zwischen den beiden immer viel zu strikt.

 

Weniger Zeit für die Welt = Mehr Zeit für Gott

Yassss! Deal. Wenn ich für mich einmal zusammenrechnen würde, was ich an Zeit gewinnen könnte! Zeit, mit Gott zu sein. Wie traurig dumm ich manchmal meine Minuten vergeude. Eigentlich sollten wir in einer beständigen Verbindung mit Gott stehen - immerhin erhält er uns ununterbrochen am Leben! Und es muss ja gar nichts großes sein: es gibt so viele Kleinigkeiten, die uns auffallen, wenn wir aufmerksam leben; Dinge, die uns beschweren, die uns abhalten von dem, was wirklich wichtig ist.

So möchte ich mich z.B. morgens nicht allzu aufwändig schminken, nicht allzu viel Zeit genüsslich damit verbringen (ich liebe es ja...). 5 Minuten weniger machen viel aus. Ich hatte überlegt, mich gar nicht mehr zu schminken, aber wir sollten den Körper ja schon pflegen. Außerdem sagt Jesus selbst: "Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. ... u aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater. ..." (Matthäus 6).

Außerdem will ich keine aufwändigen Mahlzeiten kochen, die oft Stunden kosten und nur für Genuss sorgen (das ist übrigens auch eine Richtlinie von manchen Orthodoxen, glaub ich). Es geht auch simpler!

Dann eindeutig die Screen Time runterschrauben! Da kann ich Stunden gewinnen, und noch dazu besser genutzte Stunden.

Und was tun mit der gewonnenen Zeit? Beten, lesen, die sehnsüchtig wartenden Fenster putzen, es früher ins Bett schaffen...

 

Was tun, wenn ich mehr für mich faste als für Gott? Bzw. für meinen Körper als für meine Seele?

Tja... Wenn die alte Eitelkeit die Überhand gewinnt.

Einerseits denke ich, dass ich mich im vergangenen Jahr gut entwickelt hab in der Hinsicht, mich selbst und mein Aussehen zu akzeptieren. Und sogar zufrieden damit zu sein und nicht ständig ums Abnehmen zu ringen! Umso schwerer könnte es diese Fastenzeit werden - weil ich nicht dieses kleine Männchen im Hinterkopf hab, das mir sagt, dass es mir noch dazu einen Nutzen fürs Äußere bringt. Aber umso korrekter werde ich dann fasten können.

Andererseits bin ich mir sicher, dass ich trotzdem oft in diese kleine Grube von Selbstgefälligkeit und Eigennützigkeit und Eitelkeit fallen werde. Was dann? Vielleicht Gegenmaßnahmen setzen: etwa, anstatt dem gesunden Salat einfach Brot zum Abendessen essen? Das ist zwar an sich "ungesünder", was wir ja nun auch  nicht sein sollen, aber tatsächlich ungesund ist es auch nicht. Und als kleine "Strafe" für meine Gedanken, um meine Intention auf dem geraden Weg zu halten, könnte das doch nützen.

 

Auf jeden Fall werde ich mich dabei unterstützen, nicht zu sehr auf mich selbst zurückzufallen, indem ich Spiegel vermeide: Ein Handtuch über den Spiegel im Zimmer, und beim Spiegel im Gang und im Bad und bei den Schaufenstern in der Stadt wird Selbstbeherrschung geübt: Nicht reinschielen. Sich beim Zähneputzen mit dem Rücken zum Spiegelbild stellen. Ich weiß doch, wie ich aussehe, warum sollte ich also wieder und wieder meine Macken und Vorzüge beschauen? Spiegel haben irgendwelche magnetischen Kräfte auf unsere Augen...

Hier her passt vielleicht auch ein Verzicht auf die Waage... Es geht ja eigentlich nicht um unser Gewicht, wenn das auch eine Richtlinie für uns sein kann. Aber es geht darum, gesund zu sein, zu sein, wie Gott Menschen erschaffen hat. In ständiger und beständiger Verbindung mit ihm. Und wenn wir gesund leben, werden wir auch ein gesundes Gewicht haben.

 

Dazu möchte ich abschließend sagen, dass es keineswegs verkehrt ist, wenn man körperlich fitter, gesünder, schöner aus der Fastenzeit aussteigt. Aber diese Effekte sollen Folgen, Nebeneffekte von seelischer Gesundheit sein - ist das nicht schön? Und motivierend? Es stimmt doch: wahre Schönheit fängt innen an. Wenn wir unser Leben wieder mehr auf Gott richten, kann er uns besser erfüllen und uns so formen, wie er uns gedacht hat!

 

Was tun, wenn man nicht aufhören kann, zu essen?

Jaa, das ist so ein Ding. Essen kann so schön sein, und damit aufzuhören das Allerschrecklichste.

Ich habe mir vorgenommen, nach jeder, wirklich jeder Mahlzeit zu beten. Vielleicht auch mehr als ein kurzes Dankgebet bezüglich der Mahlzeit. Wirklich zu Gott zu gehen. Mich vielleicht bei ihm beklagen, dass ich doch noch so gerne weitergegessen hätte, es aber beim besten Willen nicht mehr brauche; dass er Nahrung zu lecker erschaffen hat... Und so weiter ;) Direkt nach dem Essen beten, vielleicht noch vor dem letzten Bissen, könnte vielleicht helfen, gelassen und ohne schlechte Laune Tisch (oder Sofa) und Teller zu verlassen.

Wenn man mit anderen Leuten zusammen isst, vielleicht erst, um nicht ganz weirdo dazustehen, das Ende abwarten  und woanders beten gehn ^^

 

Was tun, wenn der Hunger quält?

Wissen, dass man nicht so schnell verhungert. Dass der Körper, um gut zu arbeiten, einen Bruchteil von all der Nahrung braucht, die wir gewöhnlich zu uns nehmen.

Und die Lücken füllen mit Gebet. Besonders Fürbitt-Gebet füllt garantiert jedes Loch, lenkt die Gedanken, wenn aufrichtig gebetet, in eine ganz andere Richtung, weg von den eigenen Bedürfnissen, hin zur Sorge um andere.

 

Was, wenn Social Media mich abfängt?

Ganz auf Handy und SM zu verzichten nehm ich mir nicht vor.

Was ich mir vornehme sind bestimmte Wochentage, an denen ich überhaupt auf Social Media darf - und zwar nur zu bestimmten Zwecken: Durchgescrollt wird für die nächsten 40 Tage NICHT! Ich bin aber in ein paar Vereinen dabei, wofür ich schon hin und wieder  posten werde. Und auch für gewöhnliche Tage mit Social Media nehm ich mir vor, das Handy nur 3x überhaupt zu berühren (Wecker ausmachen oder stellen gilt nicht^^), und dann halt nur für das "Nötige". Das klingt penibel, hat aber bei mir bisher gut funktioniert. So überlegt man drei Mal, ob man das Handy jetzt aufnimmt, und greift nicht ständig unkontrolliert danach.

Wenn man aber nun mal irgendwo online hängen bleibt, würde ich mir von Vornherein eine "Strafe" bzw. eine Rettungsmaßnahme setzen; z.B. wenn man sich ertappt sofort drei Liegestützen machen (oder sich hinsetzen und was beten, falls die Liegestützen wieder zur Eitelkeit beitragen;)). Das gilt auch für alles mögliche andere: etwa, wenn man sich beim Lästern ertappt oder bei irgendwelchen schlechten Gedanken oder wie ich etwas esse, was ich eigentlich aufgeben wollte usw.

 

Gutes tun

Es kann leicht sein! Und manchmal auch richtig schwer, und man findet nichts. Aber ehrlich: Eine freundliche Geste an die Leute, mit denen man zusammenlebt; ein bisschen Einsatz für einen guten Zweck online, wie etwa Posts für ehrenwerte Zwecke, auch wenn man sich scheut; Freunden, die man zur Zeit ja so selten sehen kann, einen Brief schreiben; das Herz für Bettler und Obdachlose auf der Straße öffnen,...

 

Kaffee... Oder so was.

Kein Kaffee für ein paar Wochen. Lustig war das bisher nie. Aber es hat recht gut funktioniert, nach zwei Wochen ist man die Sucht los. Und die Sonntage sind ja gnädig. Ich finde aber, dass jeder abwägen muss, wie viel an Verzicht er grade ertragen kann; je nach Lebensumständen kann Kaffeeverzicht funktionieren, aber ich tu's eigentlich auch vor allem, weil mein Umfeld es tut. Dem will ich nicht mit Kaffeegeruch zur Last fallen. Und vielleicht könnte es helfen, die Kaffeemühle wegzupacken?

In manchen Lebensumständen geht so was einfach nicht. Und muss ja auch nicht sein! Man sollte sich ja nichts Unmögliches aufdrängen, oder? Also nichts, wovon man von Anfang an weiß, dass man es nicht schaffen wird. Aber klar, das ist so eine Sache: Man kann doch alles schaffen... Weiß nicht. Einen Versuch ist sicherlich auch das Unmachbare wert! G. K. Chesterton hat gesagt:  "Alles, was sich zu tun lohnt, lohnt sich auch, wenn man's schlecht tut."

Allerdings schummle ich ja auch: ich ersetze mein Koffein mit Schwarztee. Das Teein ist ja auch ein bisschen Placebo: hilft mir, mich besser zu fühlen, ohne was zu tun. Die starke Wirkung und der Kaffeegenuss gehn mir trotzdem ab, und das tut schon weh.

Ja und wenn es nicht Kaffee ist, dann ein anderes Grundnahrungsmittel; vielleicht Erdnussbutter? Laugenbrötchen? Frischkäse?

 

Kalt duschen

Ich weiß noch  nicht, wie ich das genau tun werde... Ich hab mir angewöhnt, am Anfang jeder Duscheinheit erst eine halbe Minute kalt zu machen. Vielleicht verlege ich das ans Ende, damit ich kalt aussteigen muss, sozusagen. Ugh. Es gewöhnt jedenfalls unser Gehirn an vermeintliche Stresssituationen, ohne dass diese wirklich stressig und gefährlich wären. So können wir uns trainieren, können lernen, Stresssituatinoen locker zu nehmen und können echten Stress schließlich besser ertragen.

 

Musik genießen

Ich hab  immer schon supergern und wirklich viel Musik gehört. Seit Jahren fahr ich da vor Ostern runter, gleich wie bei allen anderen Genussmitteln. Einerseits, um ruhig zu werden und mich mit der Stille abzufinden, andererseits aber auch, weil es mir wirklich schwerfällt. Und Musik an sich ist ja nun wirklich nichts Schlechtes, vielmehr etwas wirklich Gutes; ja, sie kann uns ganz schön aufbauen, und ist ein direktes Geschenk Gottes an uns. Ich versuche trotzdem, ohne klarzukommen und auch das, was mir gut tut, aufzuopfern. Es auch ohne Musik auszuhalten. Sonntag läuft sie dann dafür 24h. Und singen ist immer erlaubt ;)

 

Bibel & Gebet

Ich hab dieses Jahr mit einem "Bible in a year"-Podcast auf Podbean angefangen. So kriegt man wirklich die komplette Bibel durch, von einer schönen tiefen Stimme vorgelesen - und man schafft es auch durch die sonst so zäh und anstrengend wirkenden langen Bücher aus dem Alten Testament! Die hatte ich schon so oft angefangen, aber einfach nicht die Muße. Mit diesem Podcast geht es wirklich gut, weil täglich regelmäßig aus verschiedenen Büchern gelesen wird und zu denen nachher noch was gesagt wird. Das ist schon zu empfehlen! HIER kommt ihr zu diesem Podcast; er ist auf Englisch, aber es gibt sicher auch Deutsche. Diesem Priester vertraue ich halt ziemlich, bin sicher, dass er keinen Stuss erzählt. Podbean lässt sich auch am Computer hören, ohne die App.

Der Podcast lässt sich gut in das reguläre Gebetsleben einbauen. Ich weiß, das alles zusammen kann ganz schön viel sein. Ich werde sicher auch Tage haben, wo ich den Podcast auslassen muss. Nachholen kann man ihn ja immer noch. Aber eine bestimmte minimale Zeit sollten wir Gott schon geben... Bzw. viel mehr uns selbst geben! Gott hätte nichts gegen Stunden täglich mit uns!

Ich glaube, diese Zeit ist eine Chance, Prioritäten neu zu setzen: Immerhin hat man ein Zeitlimit. 40 Tage. 40 Tage harter Kampf. Danach kann man wieder den "Kampf light" kämpfen, wie ihn eben der schwache Mensch auch ein Leben lang aushält.

 

Keine Angst vor Versagen haben!

Noch einmal G. K. Chesterton: Alles, was sich zu tun lohnt, lohnt sich auch, wenn man's schlecht tut!

 

Wie gesagt, ein Zeitrahmen von 40 Tagen erleichtert gewisse Aufgaben. Aber wir könnten doch auch versuchen, auch dauerhafte Angewohnheiten zu entwickeln. Nicht, dass wir nach 40 Tagen wieder bei Tag 0 minus 1 sind und alles tun, was wir gerade bekämpft haben. Natürlich sind wir dann zurück im Genuss, aber die guten Dinge, die wir während der Zeit üben und die uns guttun, wollen wir doch, zumindest zu einem bestimmten Grad, unbedingt beibehalten!

Noch ein Wort: Wenn wir bis zum Aschermittwoch noch keine perfekten Vorsätze ausgefeilt haben, macht das nichts. Jeder Tag ist ein Neubeginn, eine Chance. Und in diesem Zeitrahmen von 40 Tagen lassen sich diese Chancen viel einfacher wahrhaben als wenn es im üblichen Alltagstrott wäre - also ausnutzen.

 

Joa das war's erst mal. In 40 Tagen werden wir sehn, wo wir stehn.

Also ich freue mich auf die kommenden Wochen. Gott wartet!

 

xoxo Natelle