· 

Thought of the day 5/7/2021: Wenn ich schwach bin, bin ich stark

 

Jedes Mal, wenn wir über der Reling hängen und in die unbekannte Tiefe unter uns starren, benommen und machtlos; immer dann, wenn wir leise im inneren Kleiderschrank kauern und "Ich kann nicht mehr..." flüstern, dann fängt unsere Kraft eigentlich erst an. Weil das die Momente sind, wo uns erst klar werden wird, wie viel wir können und ertragen und schaffen. Allein der Satz "Ich kann nicht mehr" bedeutet Kraft, weil wir in genau dem Moment ja doch können. Wir leben weiter, wir gehen weiter, oder sitzen weiter da, während wir "nicht mehr können". Sekunde um Sekunde vergeht, und sie sind vielleicht grauenvoll, doch wir bringen sie hinter uns, während wir uns denken "ich kann nicht mehr".

Ich mag es nicht, wenn Leute sagen: "Das könnte ich nie; ich würde nie ertragen, was der oder die erträgt!" Wenn wir mal an einem auch nicht ganz so tiefen Punkt stehen, glauben wir manchmal wirklich, das Limit unserer Kräfte absehen zu können. Das ist eigentlich albern; wir werden nie wissen, zu wie viel wir fähig sind, solang wir es nicht erlebt haben. Wir brauchen uns also auch vor gar nichts einschüchtern lassen. Wir werden ja doch durchkommen, und Durchkommen ist gleichzusetzen mit Schaffen. Irgendwie. Es macht nichts, wenn wir uns schwach fühlen. Das ist nur ein Gefühl, keine Realität, und ändert nichts an der Tatsache, dass wir unsere Herausforderungen meistern werden. Niemand erwartet von uns, dass wir fröhlich und ohne geschwächten Nerven durch schwierige Zeiten gehn. Aber glücklich und im Frieden sein können wir. Es ist vielleicht eine noch stärkere Leistung, wenn man akzeptiert, dass man nicht perfekt ist, dass man anfällig ist für die Sorgen der Welt und dass man sich Vorwürfe oder Sorgen macht.

Wir selbst sind endlich, Versager, brüchig, machen die unglaublichsten Fehler. Sei's, dass wir uns selber in eine unerträgliche Lage manövriert haben oder dass wir selbst nichts für die widrigen Umständen können, Gott wird jedes Mal in uns wirksam uns wird sich in uns als eine unendliche Kraft entfalten, die er als der unendliche Schöpfer in uns hineingelegt hat. Wir werden entdecken, dass wir tatsächlich eine Unendlichkeit in uns tragen. Unsere endliche Hilflosigkeit, Wut, Verletzlichkeit, Dummheit, jeder Selbstzweifel, der uns unendlich groß scheint, wird dann bedeckt von unendlicher Kraft, all das zu ertragen, auch wenn wir meinen, sie ist nur begrenzt. Warum sind wir unserer Schwäche gegenüber so optimistisch, aber nicht unseren Kraft? Was kann einem Kämpfer auf dem Schlachtfeld schon passieren, wenn er genau weiß, dass er schlussendlich sowieso unzerstörbar ist? Was für Wunden können ihn so sehr abschrecken, dass er sich dem Feind für immer und endgültig ergibt?

 

2. Korinther 12:9: Und er hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft kommt in der Schwachheit zur Vollendung. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, auf dass die Kraft Christi bei mir wohne. Darum bin ich guten Mutes in Schwachheit, in Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgungen und Ängsten um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark.

 

xoxo Natelle