Es kann verdammt schwierig sein, die Balance zu finden zwischen Träume verfolgen und einfach das Leben leben, das schon da ist. Zu unterscheiden zwischen Vision und Illusion. So oft schon hab ich mich gefragt, wann es Zeit ist, diesen oder jenen Traum aufzugeben, oder ob man weiter und immer weiter anstreben soll. Wann Träume Schäume sind und wann gute erreichbare Ziele. Wann man sich was vormacht, und wann einem der Teufel vormacht, dass man sich was vormacht. Das ist manchmal einfach nicht klar, so sehr man es auch herausfinden möchte. Wir wissen, dass Gott das Beste für uns bereitliegen hat, fragen uns nur manchmal, wie wir da ran kommen.
Doch etwas, was wohl jeder von uns weiß, auch ich, was aber einfach blödsinnig schwierig aufzunehmen ist, ist, dass wir GOTTES WILLEN FÜR UNSER LEBEN GAR NICHT VERPASSEN KÖNNEN. Wenn wir ihm unser Leben anvertrauen, wenn wir "ihn zuerst suchen" (Matt. 6:33), wird uns nichts passieren können, werden wir seinen Willen nicht übersehen, können wir seinen Ideen für unser Leben nicht im Weg stehen.
Und Gott unser Leben anzuvertrauen ist nicht ein Vertrag, den man ein mal unterschrieben hat und dann in eine Schublade legt. Ein Leben mit Gott heißt, die eigene Unterschrift immer und immer wieder neu zu setzen. Weil Gott gut ist und uns nicht zu sich zwingt und uns jederzeit abspringen lassen würde. Bei allem, was wir tun, können wir sagen: „Herr, für dich. Ich tu's für dich.“ DANN wird es gut sein. Ob es in die Hosen geht oder ein voller Triumph ist, ist dann egal. Gewinn oder Verlust, es wird für Gott geschehen sein. Wir werden ein Stück Leben gelebt haben FÜR Gott. Ob es eine besondere Handlung war oder eine ganz alltägliche, ob es eine schwierige Entscheidung war oder eine Pflicht, die man ungern erfüllt. MIT Gott zu einem Meeting gehen, etwas tun, etwas nicht tun, etwas entscheiden – immer Gott an vorderster Stelle haben. Dann werden auch die Konsequenzen, seien sie gut oder schlecht, erträglich. Weil man wissen kann, dass Gott sie abgesegnet hat.
Wir können gar nicht anders als all das erhalten, was Gott Wunderbares für uns erdacht hat. Und solange wir unterwegs sind, solange wir möglicherweise nicht wissen, wo unser Platz in der Welt ist oder was der nächste Schritt ist, solange dürfen wir uns auch damit abfinden, dass wir es einfach noch nicht wissen. Warum bloß wünschen wir uns so oft, schon einen Schritt weiter zu sein? Wenn mich das bisherige Studium was gelehrt hat, dann, dass Zeit kostbar ist und so schnell vorbei: Drei Minuten Vorlesungszeit reichen für ein ganzes neues Kapitel, und 20 Sekunden können einiges an Leben retten. Warum wünschen wir uns immer, eine schwere Gegenwart schon rum zu haben? Wenn die Gegenwart doch genau das ist, was Gott uns gerade gibt? Warum nehmen wir sie nicht frontal an, schauen sie an, akzeptieren sie? Wir wissen nie, was als nächstes kommt. Genau deswegen sollten wir die Zeit genau hier und jetzt nützen. Sie ist so schnell vorbei. Und es wäre ein Jammer, wenn wir sie damit verbringen, uns zu wünschen, wir wären schon weiter. Jeder einzelne Schritt, jeder Herzschlag, den wir erleben, jede Sekunde, ist wichtig und richtig für uns. Warum vergessen wir immer wieder all die Male, wo wir rückblickend verstanden haben, oder zumindest erahnen konnten, wofür etwas gut war? Wenn uns das auch nicht immer klar wird, sollte es uns doch zeigen, wie wenig wir verstehen und wie viel mehr wir "einfach" vertrauen sollten.
Alles, was passiert, passiert, um uns Gott näher zu bringen. Alles. Auch die Dinge, die wir uns niemals selber ausgesucht hätten. Wir können drauf vertrauen, dass Gott genau diese Sachen nutzen wird, um uns zu ihm zu führen. Zu der Erkenntnis, zu der Liebe, Fülle und Schönheit, die er ist. Wollen wir nicht genau das?
xoxo Natelle