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Blogserie: Die Ich-Liste 1 - Mit Worten aufbauen, nicht niederreißen

 

Zuerst eine kleine Erklärung zu dieser Serie: Ich hab vor Jahren einmal eine "Ich-Liste" angefangen. Was das sein soll? Nun, ich hatte von "Beziehungs-Gurus" gehört, dass man als Frau eine "Er-Liste" erstellen soll, um zu wissen, was für Qualitäten man sich in einem möglichen zukünftigen Ehemann wünscht. Eine von diesen Gurus hatte dann einmal die grandiose, wie ich finde fast noch bessere Idee, auch eine Ich-Liste zu erstellen - mit den Qualitäten, die man in sich selber sehen möchte. Wir alle wissen glaube ich, wie wir gern sein würden. Damit mein ich nicht, dass wir grundsätzlich "anders" und besser und besser sein wollen sollen. Aber dass wir so vieles Großartige haben,  das wir noch ausbessern können. Und auch vieles, das wir ablegen sollten... Manche wünschen sich vielleicht einen Partner, der so und so und so ist, und im Gegenzug dazu auch so und so und so eine Frau verdient hat (Verzeihung, ich sprech hier einfach mal vom weiblichen Standpunkt aus). Ich möchte keinen Mann mögen, der eine Frau mag, die schrecklich ungeduldig und zickig ist und unfähig, Kritik anzunehmen. Der tugendhafte Kerl, den sich die meisten von uns wünschen, soll tugendhafte Frauen lieben. Darum hab ich also damals eine Ich-Liste erstellt. Gar nicht mal, um mich für eine Ehe beziehungsfähig zu machen, sondern einfach für mich, um die Ziele, wie ich sein will und die sich damals schon langsam herauskristallisiert hatten, klar zu definieren. Jetzt hab ich diese Liste (die weniger eine Liste als eine voll bekritzelte und bemalte Seite in einem Notizbuch ist) wieder ausgegraben und möchte sie einfach Stück für Stück in wenigen Sätzen weitergeben. Es wird nicht sehr privat, keine Sorge, sondern soll für jeden eine Ich-Liste werden können, um das Beste Selbst zu werden, das wir sein können.

Eins noch: Es kann zunächst vielleicht enttäuschend sein, wenn man nach fünf Jahren auf so eine Liste schaut und bemerkt, dass man diesen und jenen Fehler immer noch nicht ausgebügelt hat... Aber das soll uns nicht entmutigen, denn wir haben nunmal quasi "lebenslänglich" gefangen in uns selber erhalten ;) Das wird schon - in JEDEM von uns steckt so viel Gutes! Übrigens, wir sollen uns nie davor scheuen, einen Blick zurückzuwerfen, denn oft findet man den weiteren Verlauf vom Waldwegchen dann wieder, wenn man sich kurz umdreht und den bisherigen Trampelfad nochmal mit den Augen abtastet.

P.S.: Woran ich so denke für diese Posts: Beziehung zu anderen. Beziehung zu sich selbst. Kritik annehmen. Beten und in Vereinigung mit Gott leben. Selbstlosigkeit. Ich hoffe, das wird was :)

 

1) Mit Worten aufbauen, nicht niederreißen

 

Kurz gesagt geht es hier darum, lieber den Mund zu halten, als etwas Ungutes zu sagen. Ich hab mal einen Vortrag von einem Priester angehört (Fr. Mike auf YouTube, falls den jemand kennt), der so eine Art Vierfeldertafel aufgestellt hat als Leitfaden für gute zwischenmenschliche Beziehungen: Aktiv destruktiv, passiv destruktiv und Aktiv konstruktiv, passiv konstruktiv. Er hat von glücklichen Paaren, die einander immer konstruktiv begegnet sind und unglücklichen Paaren, die meistens nur destruktiv miteinander umgegangen sind, erzählt. Seine Quintessenz war, dass man für gute Beziehungen aufeinander eingehen und aufbauend miteinander umgehen muss.

Die  Lektion, die ich daraus gezogen habe, nicht nur für Paarbeziehungen, war eine Art Skala: Bevor du Leute fertigmachst, sei lieber ganz still. Aber besser noch, sei freundlich still. Und am besten - sprich freundlich. Das ist nicht so einfach für Leute, die im Falle eines Falles immer ein ironisches bis beleidigendes Wort parat haben und mit Jähzorn und knapp bemessener Geduld gegenüber Menschen mit anderem Charakter vertraut sind. Ich hab diesen Vorsatz seit Jahren in meinem Kopf, und hadere immer noch damit. Es ist so schnell passiert, dass wir ein Wort, ein kleines bitteres, mächtiges Wort ausgesprochen oder jemandem auch nur einen Blick zugeworfen haben, der alles niederreißt. Gute Launen, Vertrauen zu uns, Selbstwertgefühle,...

Ich sag mir in schwierigen Situationen mit Leuten immer wieder diese Worte vor: Aktiv konstruktiv. Diese zwei. Und werde wohl noch eine Weile nicht damit aufhören. Macht das nicht auch die Leute aus, die wir bewundern? Die scheinen einen kühlen Kopf zu bewahren; zum einen Ohr rein, zum anderen raus, wenn sie jemand nervt, wenn ihnen jemand blöd kommt, Vorwürfe macht oder anders provoziert. Was schadet es uns auch, zumindest einfach still zu sein? Auch wenn andere eine Reaktion erwarten - einfach den Mund halten. Den Kommentar zu verkneifen, wenn wir wissen, dass wir durch unsere Wut oder Ungeduld mal eben nicht zurechnungsfähig sind und noch mehr Schaden anrichten könnten, als schon passiert? Wir wollen schließlich wirklich nicht die Welt mit Negativität noch weiter nach unten drücken, sondern, wenn auch nur im ganz Kleinen, das so groß sein kann, aufrichten!

 

xoxo Natelle