Kannst du dich daran erinnern, als du was gemacht hast, wovor du Angst hattest? Nicht einfach nur von einem 5-Meter-Turm zu springen oder eine Achterbahn zu fahren, sondern etwas, das mehr gefordert hat als deine passive Überwindung? Etwas, wo du handeln musstest, aktiv. Für länger als 3 Sekunden Mut aufbringen. Was ist dieser Mut?
"Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern die Erkenntnis, dass etwas anderes wichtiger ist als Angst." Seit ich 12 Jahre alt bin kenne ich diesen Satz aus der Geschichte "Plötzlich Prinzessin". Mir schien er ziemlich oberflächlich und hohl, ehrlich gesagt. Ich glaubte vielleicht, dass Mut noch etwas anderes sein musste. Mehr als nur eine Erkenntnis. Aber jetzt finde ich den Satz vollkommen. Es ist nicht nötig, Mut zu "haben". Mut kann sich aus einer Erkenntnis und dem Drang ergeben, etwas Richtiges zu tun. Das ist ziemlich genial. Also während wir von Angst überrascht werden, können wir trotzdem mutig sein. Mut lässt uns versuchen, auch wenn wir wissen, dass wir vielleicht verlieren. Weil's das Gute wert ist. Angst haben wir nur. Mutig sind wir.
Ich hab eigentlich oft Angst. Manche meinen glaub, dass mir alles egal ist; dass ich "cool" bin; dass ich mich viel traue und ein bisschen draufgängerisch bin. Ach... Rasender Herzschlag, Schweißausbrüche - das gehört zum Alltag bei mir. Aber das macht nichts. Es ist völlig in Ordnung, Angst zu haben. Es ist eigenartig - und irgendwie cool: Es ist völlig egal, dass man Angst hat. Weil man ganz einfach über diese Angst hinweg handeln kann. So wie man ein Gefühl überspielen kann. Mal besser, mal schlechter, klar. Aber es geht. Und es kann auch anstrengend sein, klar. Und wir brauchen Pausen. Momente, in denen unser Kampf neben dem meist legitimen Grund zur Angst nicht auch noch der Angst selber gelten muss, die wir beiseite schieben müssen. Gleich wie jeder Kämpfer auf dem Schlachtfeld auch seine Pausen braucht.
Ich versuche, so zu leben, als hätte die Angst nichts weiter mit mir zu tun. Ich akzeptiere sie wie einen unangenehmen Nachbarn. Ich kenne sie. Ich starre ihr entgegen. Aber sie hat keinen Einfluss auf mich. Soll sie jedenfalls nicht haben - ich geb mein Bestes. Natürlich ist sie manchmal stärker. Aber man kann üben.
Ich will nicht sagen, dass man aus Angst heraus blind handeln soll. Vielmehr sehend: Sehend, wovor man Angst hat und sehend, was mehr wert ist als die Angst. Und das gibt es immer. Angst hat nie einen übermäßigen Wert (außer diese Angst, die uns vor dem Löwen fliehen lässt, ok. Aber ich mein z.B. soziale Angst und so.
Es gibt vielleicht verschiedene Arten von Mut: Einmal eben dieser Mut, der sich nur aus einer Erkenntnis ergibt. Und einmal Mut, den manche Menschen einfach zu haben scheinen; eine wirkliche Abwesenheit von Angst - eine Furchtlosigkeit, vielleicht Gleichgültigkeit gegenüber der Welt oder dem Leben. Egal, was andere denken, egal was mir passiert - ich tue das RICHTIGE, nicht das, was ich will oder das, was am bequemsten ist. So jemand wie der letzte Mohikaner oder so. Das ist schon auch cool. Vielleicht kann man so nen Mut auch trainieren. Oder vielleicht kann er aus dem Erkenntnis-Mut entstehen. Oder er ist vielleicht auch das Ergebnis von einem gestärkten Willen: Wenn man etwas wirklich will, lässt man sich auch durch weniger davon abhalten.
Stärken wir also den Willen in uns, das Richtige zu tun und Integrität und Liebe zu zeigen, wo immer es geht! Es braucht Übung, das Richtige in so einem Moment zu erkennen und überhaupt in Betracht ziehen zu können, es zu tun. Dazu will ich uns alle herausfordern. Uns nicht von der Angst mitreißen zu lassen, sondern sie Tag für Tag hinzunehmen, wie sie ist, einzusehen, dass es Wichtigeres gibt als sie, und kompromisslos unser Leben leben. Fang klein an - frag Leute nach dem Weg. Sprich Leute auf der Uni oder der Arbeit an. Sprich von mir aus mit einer Taube auf der Straße, wenn dir danach ist <3 Stell dich auf die Seite von Menschen, die angegriffen werden, nur weil sie z.B. etwas unpopuläres sagen. Und sag deine Meinung.
xoxo Natelle