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mit der zeit

 

Was ist an einem kindlichen Weihnachten so anders als an dem eines Erwachsenen? In der Kindheit wird Weihnachten wie Glitzer auf das Ende des Jahres gestreut: Ferien, Geschenke, Lichterketten, Winterfreuden wie Kekse und Schnee,… Gewöhnen wir uns an dieses Glitzer? Stumpfen wir ab mit den Jahren? Jubeln wir kurz, weil es sich so gehört, und schütteln es dann rasch ab? Warum ist Heiligabend für viele große Menschen nur ein weiteres von vielen feierlichen Abendessen? Ist es, weil wir uns schon zu oft den Magen verdorben haben und uns immer noch nicht im Griff haben? Ist es die Hektik des Alltags, die sich nicht einmal zu Weihnachten bereit erklärt, einen Schritt zurückzutreten? Ist es das Wissen um das Fortschreiten und die normale Fortsetzung des Alltagstrotts nach den Feiertagen? Ist es so wie in den Ferien, in die man sich gar nicht erst richtig rein wagt, weil man weiß, dass dann der Umstieg nach vier Tagen umso schwieriger wird?

 

Als Kind hab ich mich oft gefragt, was passieren muss, damit man „erwachsen“ wird. Was passiert, dass Erwachsene so anders sind. Und ich hatte eine Art Angst davor; Angst, genauso abzustumpfen; die Kleinigkeiten im Leben nicht mehr so sehr wahrzunehmen; in allem Besonderen nur das Gewöhnliche und nicht mehr im Gewöhnlichen das Besondere zu sehen. Ich sah die „Erwachsenen“ und wollte gleichzeitig kein Kind mehr, aber auch nicht so sein. Ich wollte Kind bleiben können im Sinne von es-mir-egal-sein-lassen-was-andere-von-mir-denken – auch die Arbeitskollegen oder die Menschen auf der Straße. Ich fürchtete, albern zu scheinen, wenn ich auch als 40-Jährige noch pfeifend durch die Straßen laufen oder mit Tauben im Park sprechen würde.

 

Verändert sich der Mensch im Verhalten, indem er so viele gleichgeschaltete Eindrücke bekommt, dass er sich automatisch möglichst unauffällig verhält, ja automatisiert? Oder verändert sich der Mensch nur in der Beziehung zur Welt, so, dass er sich einfach an sie gewöhnt? Davor, dass er sich an die Welt gewöhnt, davor hatte ich Angst. Weil auch ich dann bestimmt keine Macht darüber haben würde.

 

Dieses Jahr fühle ich mich etwas anders. Die Freude und Wunderwahrnehmung ist da, aber sie ist anders. Die Sorge, mich dahingehend zu verändern, ein „gleicher“ Erwachsener zu sein, besteht immer noch. Vielleicht aber wird sie sich irgendwann auflösen und es wird mir egal sein, dass sie sich aufgelöst hat, und egal, das Gewöhnliche im Besonderen zu sehen. Ob ich mich dann zurückerinnern werde und daran denken, dass ich bin, wie ich nie sein wollte? Und würde es mir egal sein? Werd ich denken, dass ich jetzt ein falsches Bild vom Leben und dem Erwachsensein gehabt haben werd? Dass Erwachsene anders sind, weil sie zu viel erlebt haben, und dass man ihnen die Veränderungen nicht vorhalten kann?

 

Wer weiß. Aber ich verspreche mir hier und jetzt, mir alle Mühe zu geben, die Welt niemals als selbstverständlich hinzunehmen. Auch nicht die Tauben im Park und nicht die dicken Schneeflocken, die vom Himmel schweben.

 

 

 

P.S.: Ja, bei Weihnachten geht es grundsätzlich natürlich nicht im Geringsten um all diese weltlichen Freuden. Das sind nur ein paar allgemeine Gedanken zum Erwachsenwerden, nur eben auf die Weihnachtszeit gemünzt :)