Chesterton hat gesagt: Wenn sich etwas zu tun lohnt, lohnt es sich auch, es schlecht zu tun.
Soll nicht heißen, dass wir Dinge schlecht tun sollen, oder uns keine Mühe geben sollen. Aber erstens können wir in nichts (oder sehr wenig) gut werden, wenn wir nicht überhaupt (armselig) anfangen. Zweitens gibt es Dinge, die gehören eher mehr schlecht als recht getan als gar nicht, auch wenn nicht alles im Leben dazu gehört. Dass die meisten von uns keinem Fußballverein beitreten, obwohl wir grottenschlecht im Fußball sind, hat auch noch andere Gründe. Es hat vielleicht keinen Sinn, keinen Mehrwert; und es ist nichts, das unbedingt getan werden sollte - oder sogar getan werden muss (- auch wenn es sicherlich einige eindrückliche Lektionen erteilen würde). Aber vielleicht ist es besser, sich bei einer Party beim Smalltalk zu blamieren, als gar nicht mit Menschen zu sprechen und sich nur ängstlich in der Ecke zu verkriechen. Besser, ein Date zu riskieren als in stummem Perfektionismus und Risikofurcht zu stagnieren. Vielleicht ist es besser, einen durchschnittlichen Blog zu führen, wenn man das Gefühl hat, damit Freude machen zu können, als keinen perfekten zu haben ;)
Mir hat mal jemand gesagt, dass ich zu viel mache. Dass ich auf die Art doch gar nichts von allem hinkrieg. Vielleicht hatte er Recht - in meinem Fall. Vielleicht sollte ich nicht alles tun - aus verschiedenen Gründen. Vielleicht, weil ich mich überfordere. Vielleicht hat er aber auch nicht recht, und sicher nicht im allgemeinen Umkehrschluss: Nur, weil wir etwas, das wir tun, nicht perfekt hinbekommen, heißt es nicht, dass wir es lieber gar nicht tun sollten, sondern wenn wir etwas lohnenswertes tun, muss es nicht perfekt sein. Wenn es etwas Gutes ist, lohnt es sich.
Und was ist das grundlegende im Leben, das wir alle tun? Tun müssen? Leben. Zu leben ist alles, was wir tun müssen, um alles weitere tun zu können. Jeder muss es tun. Und jedes Leben ist es wert, gelebt zu werden, weil Leben in sich gut ist. Auch, wenn es nicht so läuft, wie wir es uns wünschen. Auch, wenn manche Leben traurig aussehen. Wenn sie hart sind. Unerträglich. Schmerzerfüllt. Unfair. Aber wieder - der Umkehrschluss, dass sich das Leben nicht lohnt, weil es nicht gut läuft, geht nicht. Er ist gefährlich (und wird heute von traurig vielen Leuten gemacht). Er führt zu Zerstörung, Zerstörung des Wertes, des Mutes, des Willens, des Lebens. Und dann haben wir nichts mehr.
Das Leben ist es wert, gelebt zu werden. Es ist viel besser, es nicht perfekt zu leben, als es nicht zu leben.
Wir sollen ein guter Mensch sein; wenn wir das nicht immer gut hinbekommen, weil wir manchmal noch immer Wutausbrüche haben, Süchten nachgeben, versagen, heißt das nicht, dass wir es gar nicht erst versuchen sollten.
Wir sollen Gutes tun. Lieber Kleinigkeiten tun, als gar nichts, nur weil's vielleicht andere eh viel besser können - oder könnten, es aber auch nicht tun.
Wir sollen leben. Lieber halbgut als gar nicht, ja lieber schlecht als gar nicht - nicht im moralischen Sinn von schlecht leben, sondern im Sinn von ein schlechtes Leben, schlechte Karten akzeptieren. Eher soll das Leben zeitweise schlecht sein als gar nicht.
Dein Leben. Jedes Leben. Sie sind es wert, getan zu werden. Niemand kann dir sagen, dass du "besser dran wärst", wenn du nicht wärst. Dass dein Kind mit Behinderung besser dran wär. Dass das durch Vergewaltigung entstandene Kind besser dran wär. Dass dessen Mutter besser dran wär. Dass deine Freundin mit Querschnittslähmung besser dran wär. Dass der Obdachlose im Park besser dran wär.
Hier ist ein kurzer Ausschnitt aus einem Interview mit Manda. Manda lebt in Seattle; sie hat einen Hirnschaden erlitten; sie lebt unter einer Brücke - sie lebt:
Ich versuche, mich zu erinnern, dass es schöne Farben gibt. Und dass ich mir gerade das Leben rette. Und dass das alles ist, was zählt. Es ist egal, wo ich lebe; alles egal, solang ich nur lebe.
(https://www.youtube.com/watch?v=xYShiXMGULE&t=113s